Therapie-Nation: Wie Amerika therapieabhängig wurde und warum uns das ängstlicher und gespaltener gemacht hat
Der Psychotherapeut Jonathan Alpert wirft einen provokativen Blick darauf, wie die Therapiekultur die Art und Weise verändert hat, wie wir leben, sprechen und miteinander umgehen, und wie sie das Gefüge des amerikanischen Lebens verändert. Im heutigen Amerika ist Therapie allgegenwärtig. Einen Therapeuten aufzusuchen ist kein Tabu mehr, und psychische Gesundheitsressourcen sind zugänglicher denn je. Doch trotz dieser positiven Entwicklung sind Angst und Depression unter Amerikanern auf Rekordniveau, und das Land scheint gespaltener denn je. Es ist an der Zeit, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass wir übertherapiert sind, und zu untersuchen, wie diese Praxis, die eigentlich heilen soll, uns schwächer statt stärker machen könnte. Nach zwanzig Jahren als praktizierender Therapeut und häufiger Kommentator zu psychischer Gesundheit in nationalen Medien ist Alpert zu einer beunruhigenden Schlussfolgerung gekommen: Sein eigener Berufsstand ist Teil des Problems. Konzepte und Schlagworte, die einst auf Therapiesitzungen beschränkt waren, haben den öffentlichen Diskurs infiltriert, wo ihre Bedeutung und ihr Zweck verzerrt und – manchmal absichtlich – zu Waffen gemacht werden. Therapie-Begriffe wie „toxisch“ und „Narzisst“ sind heute ein fester Bestandteil alltäglicher Gespräche, und sich gut zu fühlen hat das Besserwerden ersetzt. Eine subtile, aber gefährliche Verschiebung unter Therapieexperten in den letzten Jahren hat viele dazu veranlasst, Verantwortung gegen Bestätigung einzutauschen, wodurch Patienten in Zyklen von Selbstbezogenheit und Vermeidung gefangen bleiben. In vielen Fällen kann zu viel Therapie oder die falsche Art schmerzhafte Auswirkungen auf Einzelpersonen, Familien, Gemeinschaften und unsere Nation haben. Anhand von Fallstudien und einer erweiterten Perspektive, die größere soziale Kräfte jenseits des Therapiezimmers berücksichtigt, untersucht Alpert, wie die Therapiekultur dazu beiträgt, die Ängste zu schüren, die Amerika heute spalten. Er plädiert dringend dafür, dass sich sein Berufsstand selbst heilt – damit sie uns wieder heilen können.