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Nennt mich Paolo: Krieg, Frieden und Krieg

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Nennt mich Paolo: Krieg, Frieden und Krieg

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Ich hatte nie die Absicht, die Geschichte des salvadorianischen Bürgerkriegs von 1981 bis 1992 zu schreiben, auch nicht die Geschichte des Waffenstillstands zwischen den rivalisierenden Gangs der Jahre 2012 bis 2014, obwohl ich beide Ereignisse von innen her miterlebt habe. Das ist die Aufgabe von Historikern. Ich schreibe nicht über Geschichte, ich erzähle Geschichten. Und um das zu tun, habe ich mich gelöst von meinem aktuellen Beruf als Politikanalyst. In diesem Buch ist kein Raum für Theorien, Analysen und ideologische Erörterungen.
Ich habe versucht, die Situationen und Konflikte zu beschreiben, vor die mich der Krieg, mein Beruf als Journalist, meine politischen Entscheidungen und mein Doppelleben als Beobachter und als Protagonist stellten. Das ist die Erfahrung von jemand, der ständig, in beiden Richtungen, die Grenzen zwischen Journalismus und Militantanz überschreitet.
Alles, was ich erzähle, ist subjektiv. Mir geht es nicht um die objektive Wahrheit, wenn es die denn gibt, sondern um die subjektive Wahrheit: meine Erinnerung. Ich wollte ein persönliches Buch schreiben. Ich habe nicht versucht, die Situationen und Prozesse zu rekonstruieren, wie es Historiker tun, ich habe erzählt, was ich getan habe, was mir passiert ist, und wie mich das betroffen hat.
Beim Schreiben wurde mir bewusst, dass mein Gedächtnis nur das treu und detailliert registriert und bewahrt hat, was mich geprägt und geformt hat. Viel anderes ist nebelhaft oder schlichtweg vergessen – und ich habe keine Anstalten gemacht, es durch Quellenstudium oder Interviews zu rekonstruieren. Was ich nicht erinnere, kommt in dem Buch nicht vor oder wird nur erwähnt, ohne jeden Versuch, es zu rekonstruieren. Was mich wirklich tief beeindruckt hat, hat sich mir so deutlich eingeprägt, dass ich es detailliert wiedergeben kann.
Außerdem habe ich mir die Freiheit genommen, eine gewisse Portion Fiktion zu benutzen, um die Details der Bilder auszumalen, die ich in meiner Erinnerung vor mir sehe. Natürlich kann die Erinnerung täuschen. So sei es denn, sie wird ihre Gründe haben. Jene, die andere Versionen der Ereignisse haben, müssen mir verzeihen. Ihre Versionen der Geschehnisse sind möglicherweise ebenso wahr wie die meinen.
Ich habe dieses Buch vor allem für meine Töchter und meinen Sohn geschrieben, aber auch für alle, die -jeder aus seiner Sichtweise- dieselben Konflikte durchlebt haben wie ich. Ich hoffe, ich werde all den Frauen und Männern gerecht, die meine Geschichte geteilt und sie bereichert haben.

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